Zwei Bildwelten. Ein Ort. — editorial photography by Peter Scholz
    Hinter der Linse

    Zwei Bildwelten. Ein Ort.

    Warum dieses Editorial lange vor dem ersten Foto begann – und weshalb Licht manchmal wichtiger ist als die Location.

    6 Min. Lesezeit

    Wenn wir an Wien denken, entstehen fast automatisch dieselben Bilder.

    Stephansdom. Ringstraße. Schloss Schönbrunn.

    Diese Orte erzählen einen wichtigen Teil der Geschichte dieser Stadt.

    Für dieses Editorial haben wir uns bewusst dagegen entschieden.

    Nicht, weil diese Orte nicht faszinierend wären. Sondern weil wir Wien einmal anders zeigen wollten.

    Viele Betrachter fragen später nach der Location. Für mich begann dieses Editorial allerdings schon lange davor. Am Anfang stand nicht der Ort. Am Anfang stand eine Frage.

    Kann dieselbe Umgebung zwei vollkommen unterschiedliche Bildwelten hervorbringen?

    Das Editorial auf einen Blick

    Location:
    Messe Wien, Wien, Österreich

    Model:
    Denisa Strakova

    Fotograf:
    Peter Scholz (SCHOPHO)

    Kapitel 1 — Licht:
    ausschließlich vorhandenes Licht

    Kapitel 2 — Licht:
    Off-Camera-Blitz, Godox AD200 Pro II

    Genre:
    Editorial- und Fashion-Porträtfotografie

    Das moderne Gesicht Wiens

    Rund um die Messe Wien ist in den vergangenen Jahren ein Stadtteil entstanden, der von Glas, Stahl und klaren Linien geprägt ist. Ein Ort, der Ruhe ausstrahlt und gleichzeitig ständig in Bewegung ist.

    Genau hier sollte unsere Geschichte beginnen – nicht vor einem Wahrzeichen, sondern in einem Stück Stadt, durch das die meisten Menschen einfach hindurchgehen.

    Model Denisa Strakova in front of dark glass facades around Messe Wien, her reflection doubling the frame in available light.
    Das moderne Gesicht Wiens: Glas, Stahl – und eine Stadt, die sich selbst wiederholt.

    Spiegelungen

    Glas verändert alles. Es verdoppelt eine Figur, bricht eine Linie, lässt die Stadt zweimal in einem Bild erscheinen.

    Wir haben nicht die perfekte Fläche gesucht. Wir haben gewartet, bis eine Fläche zu erzählen begann.

    Editorial portrait of Denisa Strakova beside a glass facade in Vienna, her mirrored silhouette forming a second figure.
    Eine Person, zwei Figuren – die Spiegelung wird zur zweiten Protagonistin.
    Denisa Strakova in a black leather coat and white shirt against a dark glass facade in Vienna, her full reflection standing beside her.
    Das Glas verdoppelt die Szene – und verschiebt leise, wer wen betrachtet.
    Denisa Strakova leaning against a glass facade near Messe Wien, her reflection mirroring the gesture.
    Hand am Glas – die Fläche antwortet auf die Geste.
    Available light editorial frame of Denisa Strakova balancing on a concrete bench in the open plaza around Messe Wien.
    Weg vom Glas – der Platz wird zur Bühne.

    Available Light

    Der erste Teil dieses Editorials wurde ausschließlich mit vorhandenem Licht fotografiert. Ohne künstliche Beleuchtung. Ohne Eingriffe. Nur Architektur, Reflexionen und das Licht, das dieser Ort selbst mitbringt.

    Die Bilder wirken dadurch ruhig, offen und fast dokumentarisch. Das Licht erzeugt hier keine Stimmung – es legt eine frei.

    Model Denisa Strakova mid-movement in daylight on a concrete plaza near Messe Wien, photographed without artificial light.
    Nur Tageslicht – die Bewegung trägt, was das Licht nicht tut.

    Eine andere Richtung

    Für den zweiten Teil wollten wir das Gegenteil.

    Nicht eine andere Location. Nicht ein anderes Model. Sondern eine andere Bildsprache.

    Available Light beschreibt einen Ort. Gestaltetes Licht interpretiert ihn. Die Entscheidung für kontrollierten Blitz war deshalb keine technische – sie war der Moment, in dem das Editorial seine Perspektive wechselte. Wo das erste Kapitel beobachtet, behauptet das zweite.

    Mit einem Godox AD200 Pro II wurde das Licht bewusst gestaltet. Nicht um heller zu fotografieren. Sondern um Kontrolle über Kontrast, Tiefe und Farben zu gewinnen.

    “Das Licht wurde zum gestalterischen Element – nicht zum technischen Hilfsmittel.”

    Wenn Licht Teil der Geschichte wird

    Der Godox AD200 Pro II wurde nie eingesetzt, um das Tageslicht zu übertönen. Sondern um es zu formen – um das rote Kleid ein wenig vom Glas dahinter zu lösen und der Figur eine Kante zu geben, die die Architektur nicht verschluckt.

    Plötzlich begann das rote Kleid mit der Architektur zu konkurrieren. Die Farben wurden dichter. Die Schatten präziser. Und derselbe Ort wirkte vollkommen anders.

    Für dieses Editorial durfte ich mit dem internationalen Model Denisa Strakova zusammenarbeiten. Was mich beeindruckt hat, war nicht ihre Erfahrung. Sondern ihre Bereitschaft, einer Idee vollständig zu vertrauen.

    Die meisten Menschen suchen nach außergewöhnlichen Orten. Ich glaube inzwischen, dass außergewöhnliche Bilder fast nie dort entstehen. Sie entstehen dort, wo eine Idee stark genug ist, einem vertrauten Ort eine neue Bedeutung zu geben – dieselbe Überzeugung steckt hinter unseren freien Beyond Stories, hinter der ruhigen Beobachtung der Executive Stories und hinter den unwiederholbaren Stunden einer Hochzeit.

    Final frame of the Vienna editorial: model in a red dress against the glass and steel architecture around Messe Wien, lit with a Godox AD200 Pro.
    Achten Sie darauf: Das Licht macht die Szene nicht heller – es löst die Figur aus ihr heraus.
    Model Denisa Strakova leaning against a concrete pillar at the water basin near Messe Wien, red gown sculpted by hard directional flash.
    Hartes, gerichtetes Licht – die Architektur tritt zurück, die Figur bleibt.
    Model Denisa Strakova in a red satin gown with a crystal statement necklace, separated from the glass facade behind her by a Godox AD200 Pro flash.
    Gestaltetes Licht: Das Rot behauptet sich gegen das Glas.
    Model Denisa Strakova in a red gown posing beside the water basin at Messe Wien, contrast and colour controlled with off-camera flash.
    Derselbe Ort – ein dichteres, bewussteres Bild.

    Anmerkung des Autors

    Mein besonderer Dank gilt Denisa Strakova für ihre Professionalität, ihre Offenheit und ihr Vertrauen in dieses gemeinsame Editorial.

    5. August 2026

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