Südlich von Padua beginnt ein Italien, das nur wenige kennen: vulkanische Hügel, Olivenbäume, Weingärten und zwei Orte, in denen das Leben seinen eigenen Rhythmus bewahrt hat.
Schon bei der Anfahrt fällt auf, wie ungewöhnlich diese Landschaft ist. Aus der flachen Ebene südlich von Padua erheben sich plötzlich einzelne, beinahe kegelförmige Berge. Sie wirken, als wären sie direkt aus dem Boden gewachsen.
Mein erster Gedanke: Diese Hügel müssen vulkanischen Ursprungs sein.
Tatsächlich entstanden die Colli Euganei durch vulkanische Aktivitäten. Heute bilden sie keine geschlossene Bergkette, sondern stehen wie einzelne Inseln in der Ebene. Manche sind dicht bewaldet, andere von Olivenbäumen und Weingärten überzogen. Dazwischen führen schmale Straßen zu kleinen Orten und hinauf auf die Hügel.
Es ist eine Landschaft mit einem ganz eigenen Charakter – markant in ihrer Form und gleichzeitig erstaunlich harmonisch.

Eine Region, die ruhig geblieben ist
Die Colli Euganei liegen nur wenige Kilometer südlich von Padua. Trotzdem scheinen sie auf den bekannten Reiserouten durch Norditalien kaum vorzukommen.
Das macht einen großen Teil ihres Reizes aus.
Hier gibt es keine großen Besucherströme und kaum Orte, die ausschließlich für den Tourismus herausgeputzt wurden. Die Region wirkt ruhig, ursprünglich und angenehm unaufgeregt. Olivenbäume, Weinberge und bewaldete Hügel gehen ganz selbstverständlich ineinander über.
Es braucht hier kein dichtes Besichtigungsprogramm. Die Landschaft selbst bestimmt das Tempo. Man fährt über kleine Straßen, bleibt wegen eines Ausblicks stehen oder sitzt länger als geplant bei einem Glas Wein.

Este – eine Kleinstadt ohne Inszenierung
Este ist eine nette, ruhige Kleinstadt, die sich viel von ihrer Ursprünglichkeit bewahrt hat. Sie wirkt ein wenig verschlafen – und genau das ist angenehm.
Über der Stadt stehen die Türme und rötlichen Mauern des Castello Carrarese. Innerhalb der historischen Befestigung befindet sich heute ein großer Park. Die Burganlage prägt das Stadtbild, ohne Este in eine touristische Kulisse zu verwandeln.

Besonders in Erinnerung geblieben ist uns die große Piazza Maggiore. Rund um den Platz stehen Häuser in unterschiedlichen Farben, darunter Arkaden, kleine Geschäfte und Lokale. Nichts wirkt spektakulär inszeniert. Gerade deshalb fühlt sich der Platz echt und lebendig an.
Este ist kein Ort, den man anhand einer langen Liste von Sehenswürdigkeiten erkunden muss. Es reicht, durch die Straßen zu gehen, sich umzusehen und die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen.

Arquà Petrarca – hinauf und wieder hinunter
Arquà Petrarca zeigt eine andere Seite der Colli Euganei. Der historische Ort liegt direkt am Hang. Wer ihn zu Fuß erkundet, merkt schnell, dass hier kaum etwas eben ist.
Die schmalen Gassen führen steil bergauf und anschließend ebenso steil wieder hinunter. Dazwischen stehen alte Häuser aus Naturstein, kleine Gärten und Mauern, über die Pflanzen bis in die Gassen wachsen.

Der Ort trägt den Namen des Dichters Francesco Petrarca, der hier seine letzten Lebensjahre verbrachte. Sein Haus und sein Grab erinnern an diese Verbindung. Doch auch ohne seine Geschichte wäre Arquà Petrarca einen Besuch wert.
Es ist vor allem die Lage am Berg, die den Ort prägt. Hinter den Häusern öffnen sich immer wieder Blicke auf die umliegenden Hügel. Das Licht verändert die Farben des Steins, und jede Kurve der Gassen bietet ein neues Motiv.
Ein Rundgang ist durchaus sportlich. Aber gerade das Hinauf- und Hinuntergehen gehört zum Erlebnis dieses Ortes.

Le Volpi – ganz oben am Hügel
Das Le Volpi Wine Relais haben wir eher durch Zufall entdeckt. Schon die Anfahrt macht jedoch deutlich, wie außergewöhnlich die Lage ist. Das Anwesen liegt ganz oben auf einem Hügel, umgeben von Weingärten und mit einem grandiosen Ausblick über die Colli Euganei.
Hier oben wird es noch einmal ruhiger.
Unser Zimmer hatte eine eigene Terrasse. Dort saßen wir am Abend, ließen den Tag ausklingen und genossen ein gutes Glas Wein. Kein Programm, kein Grund, noch einmal wegzufahren – nur die Ruhe, die Landschaft und das langsam schwindende Licht.

Ein besonderer Moment war für uns auch das Frühstück. Nicht, weil es spektakulär inszeniert gewesen wäre, sondern weil bei Le Volpi alles zusammenpasst: die freundlichen Menschen, die Ruhe des Hauses, die Lage und der Blick hinaus in die Landschaft.
Der Pool liegt eingebettet zwischen dem Haus und den Weingärten. Er ist kein dekoratives Zusatzangebot, sondern ein Platz, an dem man tatsächlich einige Stunden verbringen und abschalten möchte.

Der Wein gehört dazu
Le Volpi ist auch ein Weingut. Produziert werden unter anderem Chardonnay, rote Cuvées, die im Barriquefass reifen, und ein trocken ausgebauter Muskateller.
Gerade dieser Muskateller war für mich eine Entdeckung. Die Rebsorte wird häufig mit süßen oder sehr fruchtbetonten Weinen verbunden. Hier ist sie trocken ausgebaut, aromatisch, aber nicht aufdringlich – ein richtig guter Tropfen und mein persönlicher Favorit bei Le Volpi.
Die Weine passen zu diesem Ort. Sie wollen nicht laut beeindrucken, sondern begleiten einen Abend auf der Terrasse, ein Essen oder einfach den Blick über die Hügel.
Für wen sind die Colli Euganei?
Die Colli Euganei sind keine Region für Reisende, die jeden Tag möglichst viele bekannte Sehenswürdigkeiten abhaken möchten.
Sie sind für Menschen, die es gerne ruhig haben. Für alle, die guten Wein schätzen, Landschaft und Licht bewusst wahrnehmen und ein paar Tage entspannen möchten. Este und Arquà Petrarca bieten genügend Geschichte und Atmosphäre für kleine Ausflüge. Dazwischen bleibt Zeit für den Pool, für eine Terrasse und für ein Glas Wein am Abend.
Vielleicht sind die Colli Euganei gerade deshalb so besonders, weil sie noch nicht zu den bekannten Bildern Italiens gehören.
Es ist ein Teil des Landes, den man eher zufällig entdeckt.
“Und den man danach nicht mehr so leicht vergisst.”



